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Ortungswanzen und Vorratsdatenspeicherung

In diesem Beitrag geht es um die vergessene Vorratsdatenspeicherung und um die Leichtigkeit einer Profilerstellung mittels einer ″Ortungswanze“.

Beginnen werde  ich  diesen Beitrag  mit einem Textauschnitt aus fremder Feder:

Die nächste Generation der Auswertungssoftware für Verbindungsdaten enthält bereits Module, um direkt mit den Datenbanken der Netzanbieter zu kommunizieren. Für die Polizeien oder Geheimdienste besteht somit die Möglichkeit, aus der graphischen Analysesoftware die Übermittlung der Verbindungsdaten einer interessierenden Person direkt per Mausklick zu beantragen. Im Ausland kann ein solcher Einsatz bereits beobachtet werden: In Ländern, in denen kein Richtervorbehalt für diese Datenabfrage existiert, kommuniziert die Analysesoftware auf direkte Weise mit den Datenbanken der Netzanbieter und ist somit in der Lage, Betroffene „live“ zu verfolgen. Dazu werden jeweils aktuell anfallende Verbindungsdatensätze ohne Verzögerung in einer digitalen Karte dargestellt und in entsprechenden Ansichten der Beziehungsnetzwerke aktualisiert. Für neu hinzukommende Personen können dabei Alarmierungskriterien definiert werden. Sofern also eine vorab definierte Rufnummer in den Verbindungsdaten erscheint, kann automatisiert eine Benachrichtigung an die Überwacher erfolgen.

Erschreckend. Dieser o.g. Textausschnitt stammt aus einer Stellungnahme des Chaos Computer Clubs für das Bundesverfassungsgericht aus dem Jahre 2009. Auch aufgrund dieser Stellungnahme, wurde diese illegale  Totalüberwachung aller Bürger hierzulande in einem Urteil vom 02.03.2010 des Bundesverfassungsgericht ein vorläufiges Ende gesetzt. Die über 31monate anhaltene Datensammelwut musste eingestellt werden. Dem letztem Urteil vom Freiheitskämpfer und Richter am BVerfG Hans-Jürgen Papier sei Dank. Was nicht heißen soll, das die sechsmonatige, vorsorglich anlasslose Speicherung  von Telekommunikationsverkehrsdaten durch private Diensteanbieter in den Köpfen unserer Politiker für alle Zukunft ebenfalls ein Ende hat oder gar vergessen ist. Spätestens nach der nächsten Bundestagswahl, egal wer die Wahl gewinnen mag, wird das Thema automatisierte Totalüberwachung der Bevölkerung wieder aktuell sein. Ganz sicher sogar.  Schließllich muß die  EG Richtlinie 2006/24/EG  von allen Mitgliedsländern der EU umgesetzt werden.

Um auf den Punkt zu kommen, der Grünenpolitiker Malte Spitz hatte sich berechtigterweise entschlossen, auf Herausgabe seiner gespeicherten Handydaten, welche von der Telekom per Gesetz für jeweils 6 Monate gespeichert wurden, zu klagen. Die  Telekom mußte seine Daten letztendlich herausgeben. Untern Strich standen so insgesamt  35.000 Datensätze (!) zu Verfügung, welche sein Mobiltelefon in einem halben Jahr an Informationen Preis gegeben hat. Jeder einzelne Datensatz  ist eigentlich für sich allein harmlos, aber in der Summe ergeben sie das, was Ermittler ein Profil nennen. Ein klares und perfektes Bild über Gewohnheiten und Vorlieben, ja über das gesamte Leben. Der Kritiker dieser Speicherung Malte Spitz hat  seine Daten schließlich dem Portal ZEIT ONLINE  zur Verfügung gestellt. Die Datensätze  (August 2009 bis Februar 2010) enthalten: Standortdaten, Uhrzeiten, die Zahl der ein- und ausgehenden Anrufe und SMS sowie die Dauer der Verbindungen zum Internet.

ZEIT ONLINE schreibt dazu am 24.2.2011:

Das Profil enthüllt, wann Malte Spitz durch Straßen läuft, wann er Bahn fährt, wann er fliegt. Es zeigt, in welchen Städten und an welchen Orten er sich aufhält. Es zeigt, zu welchen Zeiten er arbeitet und zu welchen er schläft, wann man ihn am besten erreichen kann und wann eher nicht. Es zeigt, wann er lieber telefoniert und wann er lieber eine SMS verschickt und es zeigt, in welchem Biergarten er gerne sitzt. Es zeigt ein Leben.

Jeder der sein Handy wie selbstverständlich und immer bei sich trägt sollte sich bewusst machen:  Egal wo man sich aufhält, egal wo man sich hin bewegt, egal wie lange und mit wem man telefoniert oder mal ne SMS verschickt, es wird aufgezeichnet und auf Dauer gespeichert. Das Handy, die perfekte Wanze.Ein Profil ist somit über jeden Bundesbürger abrufbar. Automatisiert und per Mausklick. Ganz einfach.

Wie ich oben schon erwähnte, ist das Thema Vorratsdatenspeicherung bei unseren paranoiden Volksvertetern noch nicht vom Tisch.  Und der letzte Richter am Bundesverfassungsgericht, der sich noch der Freiheit verpflichtet fühlte, ist seit 2010 in Pension. Also, entweder auf das private Handy schon heute verzichten oder die „Wanze“ zwischendurch einfach mal auschalten (besser Akku raus) oder erst am Zielort einschalten.

Wer Lust hat sich diese 35.000 Datensätze von Malte Spitz (welche zusätzlich noch mit öffentlich verfügbaren Daten aus seinenTweets u. Blogeinträgen von Zeit-Online verfeinert wurden)  in Form einer graphischen Zeitleiste mit Bewegungsprofil anschauen möchte, kann dieses hier tun.

Und wer dann noch immer noch Lust hat und sich in dieses Thema intensiver einlesen möchte, empfehle ich die oben genannte und sehr lesenswerte Stellungnahme vom CCC.

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